Kritik am 10-Punkte-Plan der Bundesregierung nach CSD-Anschlag
netzpolitik.org
- Die Bundesregierung plant nach dem islamistischen CSD-Anschlag in Berlin einen 10-Punkte-Plan mit Fokus auf mehr Überwachung und Strafverschärfung.
- Kritikpunkte sind insbesondere die Forderung nach Vorratsdatenspeicherung und der Druck auf Gerichte bei der Anwendung des Jugendstrafrechts.
- Der Plan vernachlässigt den Schutz queerer Menschen und ignoriert, dass bestehende Überwachungs- und Informationsstrukturen das Attentat nicht verhindern konnten.
Kernpunkte des 10-Punkte-Plans
- Datenspeicherung und -austausch: Forderung nach Vorratsdatenspeicherung für IP-Verbindungsdaten und eine verstärkte Weitergabe von Gefahreninformationen an Justiz- und Ermittlungsbehörden.
- Jugendstrafrecht: Gerichte sollen künftig explizit begründen müssen, wenn sie bei Heranwachsenden (18-21 Jahre) das Jugendstrafrecht anwenden, was Kritiker als Einschränkung der Resozialisierung sehen.
- Repressive Maßnahmen: Forderung nach häufigerer Nutzung elektronischer Fußfesseln, Vereinheitlichung der Präventivhaft auf hohem Niveau sowie Strafverschärfungen für Propagandadelikte, Messerangriffe und Terrorfinanzierung.
Analyse der Wirksamkeit
- Bestehende Sicherheitsstrukturen waren beim Täter bereits umfassend informiert; er wurde vom Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum beobachtet, abgehört und videografiert.
- Die Deutsche Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen warnt, dass eine reine Fokussierung auf Haftstrafen kriminelle Karrieren eher verfestigt als beendet.
- Der Plan setzt Justizakteure unter Rechtfertigungsdruck, bei Abweichung von der maximalen Härte, und vernachlässigt konkrete Schutzkonzepte für die direkt betroffene queere Community sowie langfristige Präventions- und Deradikalisierungsprogramme.