Der Einsatz von KI-Zielsystemen in Gaza und seine völkerrechtlichen Konsequenzen
netzpolitik.org
- Das KI-System „Lavender“ identifiziert potenzielle militärische Ziele in Gaza und dem Libanon auf Basis von statistischen Verhaltensmustern.
- Experten kritisieren, dass das System systematisch gegen das Völkerrecht verstößt, da es zivile Opfer in Kauf nimmt und die menschliche Kontrolle minimiert.
- Die technische Infrastruktur für diese „Kill-Chain“ wird durch internationale Konzerne wie Google und Amazon (Projekt Nimbus) sowie Palantir bereitgestellt.
Funktionsweise der KI-Zielsysteme
- Lavender weist jedem Bewohner Gazas einen Risikowert (1–100) zu, um eine Zugehörigkeit zu militanten Gruppen zu berechnen.
- Die Datengrundlage umfasst Mobiltelefondaten, Überwachungsvideos, Geodaten und soziale Strukturen.
- Ein weiteres System, „The Gospel“, klassifiziert Gebäude und Strukturen für Angriffspläne.
- Die IDF identifizierte zeitweise bis zu 1.000 Ziele pro Tag, wobei die Schwelle für Angriffe je nach verfügbarer Munition angepasst wurde.
Rechtliche und ethische Implikationen
- Völkerrechtliche Grundsätze wie Unterscheidung, Vorsorge und Verhältnismäßigkeit werden laut Experten durch das Systemdesign systematisch verletzt.
- Das System „Where’s daddy?“ zielt darauf ab, Personen nachts in ihren Familienunterkünften anzugreifen, was hohe zivile Opferzahlen provoziert.
- Der „Automation Bias“ führt dazu, dass menschliche Aufseher Zielvorgaben oft nur noch formal bestätigen (oft innerhalb von 20 Sekunden), ohne diese kritisch zu hinterfragen.
Forderungen und Konsequenzen
- Experten fordern eine sofortige Stilllegung der Systeme, mehr Transparenz und ein Exportverbot für solche Zielerfassungstechnologien.
- Der Einsatz dieser Systeme wird als potenzieller Bestandteil internationaler Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen und Völkermord (z.B. durch den Internationalen Strafgerichtshof) diskutiert.