Debatte über weitreichende Geheimdienstbefugnisse im Parlament
netzpolitik.org
- Die Spitzen der deutschen Geheimdienste fordern im Rahmen einer geplanten Gesetzesreform mehr operative Befugnisse und den verstärkten Einsatz von KI.
- Kritiker, darunter zivilgesellschaftliche Organisationen, warnen vor einer Verletzung der Grundrechte und einer Aufweichung des Trennungsgebots zwischen Geheimdiensten und Polizei.
- Das Parlamentarische Kontrollgremium (PKGr) diskutierte die Reform, blieb jedoch in der Befragung der Dienstchefs in weiten Teilen unkritisch.
Hintergrund zur Bedrohungslage
- BND-Chef Martin Jäger beschreibt die aktuelle Situation als "Grauzone", in der Russland einen "Schattenkrieg" gegen Deutschland führe.
- Um auf dieser Ebene handlungsfähig zu bleiben, fordern die Dienste eine "passgenaue Toolbox", die den Übergang von rein informativer Arbeit hin zu operativen Eingriffen ermöglicht.
Die geplante Reform
- Ein 730-seitiger Gesetzentwurf sieht umfangreiche Aufrüstungen vor, darunter Befugnisse zum Hacken sowie zur biometrischen Überwachung.
- Ziel ist die Interoperabilität zwischen BND, Verfassungsschutz und Polizei, um Angriffe auf die freiheitliche demokratische Grundordnung schneller abzuwehren.
- Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur automatisierten Auswertung personenbezogener Daten wird als notwendige Antwort auf die Datenmassen und KI-gestützte Bedrohungen begründet.
Bedenken zur Kontrolle
- Die Regierung plant eine neue Kontrollstruktur mit einem "gerichtsähnlichen Kontrollorgan", wobei die G10-Kommission aufgelöst werden soll.
- NGOs wie Reporter ohne Grenzen bemängeln das Fehlen von Mechanismen wie einem "Anwalt der Betroffenen", wie sie in anderen europäischen Ländern existieren.
- Abgeordnete des PKGr, darunter Konstantin von Notz, gehen davon aus, dass die geplante Reform Gegenstand verfassungsrechtlicher Prüfungen durch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe werden wird.