Historiker Arnau Fernández Pasalodos über das intergenerationelle Trauma des Franco-Regimes
El Salto
- In seinem Buch "¿Mató tu bisabuelo al mío?" untersucht Arnau Fernández Pasalodos, wie sich das Trauma und das Schweigen des Spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur bis auf die Urenkelgeneration auswirken.
- Junge Menschen zeigen heute ein wachsendes Interesse an der historischen Erinnerung, oft motiviert durch den Wunsch, aktuelle politische Entwicklungen wie den Aufstieg rechtsextremer Strömungen zu verstehen.
- Die Forschung zeigt, dass Urenkel eine besondere emotionale und teils körperliche Verbindung zu ihren Vorfahren aufbauen, die oft durch Familienfotos und ein neues Bewusstsein für Trauma und Psychologie verstärkt wird.
Herausforderungen der Erinnerungskultur
- Identifizierung von Opfern: Trotz laufender Exhumierungen bleibt die Identifizierungsrate gering, da die Kinder der Opfer (die direkte genetische Verbindung) weitgehend verstorben sind.
- Rechtliche Hürden: Die aktuelle "Ley de Memoria Democrática" bürdet der vierten Generation die Verantwortung für Exhumierungen auf, ohne langfristige Rechtssicherheit zu bieten, falls sich politische Rahmenbedingungen verschlechtern.
- Geschlechtsspezifische Gewalt: Das Regime übte gezielte Gewalt gegen Frauen aus, darunter systematische Vergewaltigungen und öffentliche Demütigungen, die oft jahrzehntelang im Familienkreis verschwiegen wurden.
Generationenwechsel und Strategien
- Die Generation der Urenkel ist deutlich kritischer gegenüber der "Transición" und der mangelnden Aufarbeitung des Franco-Erbes als ihre Eltern, die oft in einer Ära der verordneten Stille erzogen wurden.
- Der Autor betont die Bedeutung des "Teleskopierens", eines Konzepts, bei dem die Nachfahren eine lebendige innere Verbindung zu ihren ermordeten Vorfahren aufbauen.
- Als entscheidende Bildungsmaßnahme schlägt Fernández vor, Schulklassen direkt zu den Ausgrabungsstätten zu führen, um die physischen Spuren der Geschichte unmittelbar erfahrbar zu machen.