Europäische Regierungen suchen nach Wegen aus der Abhängigkeit von Palantir
netzpolitik.org
- Viele europäische Regierungen distanzieren sich zunehmend von dem US-Technologieunternehmen Palantir aus Sorge um digitale Souveränität und Sicherheitsrisiken.
- Ein länderübergreifendes Rechercheteam, darunter netzpolitik.org, belegte umfangreiche, aber zunehmend kritisierte Geschäftsbeziehungen im öffentlichen Sektor.
- Während einige Länder wie Großbritannien massive Investitionen getätigt haben, suchen deutsche Bundesländer bereits aktiv nach europäischen Alternativen.
Verbreitung in Europa
- Großbritannien ist der größte europäische Kunde: Allein für Gesundheitsdatenplattformen (NHS) und Verteidigungsaufträge flossen über eine Milliarde Euro an Palantir.
- Ein Bericht des britischen Parlaments von Juni 2026 warnt vor der Abhängigkeit und der Diskrepanz zwischen Unternehmenswerten und nationalen Interessen.
- In der militärischen Sphäre ist Palantir in acht europäischen Ländern präsent; die NATO nutzt das System „Maven“ zur Entscheidungsunterstützung.
Die Situation in Deutschland
- Auf Bundesebene gibt es kaum Palantir-Einsätze; Ministerien verweisen auf Sicherheitsbedenken oder fehlenden Bedarf.
- Vier Bundesländer (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, NRW) nutzen Software von Palantir für polizeiliche Datenanalysen, bei Kosten von über 95 Millionen Euro.
- Die Länder streben jedoch den Ausstieg an: Baden-Württemberg plant eine Ablösung bis 2030, und NRW schreibt aktuell Nachfolgesysteme aus, die KI-gestützte Analysen ermöglichen sollen.
Kritik und Unternehmensposition
- Experten wie Francesca Bria kritisieren die mangelnde Transparenz der Software gegenüber Regierungen und die ideologische Ausrichtung von CEO Alex Karp, der US-Interessen priorisiert.
- Palantir weist die Vorwürfe zurück, betont die Einhaltung nationaler Souveränität durch die Kunden und verweist auf die wachsende lokale Präsenz mit über 20 Prozent der Belegschaft in Europa.