Religiöse Gemeinschaften in Deutschland durch Handy-Standortdaten gefährdet
netzpolitik.org
- Kommerzielle Handy-Standortdaten, die ursprünglich für Werbezwecke erhoben wurden, ermöglichen eine präzise Überwachung von Menschen beim Besuch religiöser Orte wie Kirchen, Moscheen und Synagogen.
- Recherchen belegen mehr als eine Million Standortdatensätze an religiösen Stätten, was Gläubige potenziell zum Ziel von Diskriminierung und physischen Angriffen macht.
- Datenhändler verknüpfen diese Informationen, wodurch Wohnadressen, Arbeitsplätze und private Bewegungsprofile von Einzelpersonen offenliegen.
Sicherheitsrisiken für Betroffene
- Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt, dass solche Daten das Risiko für Spionage und Bedrohungen erhöhen, insbesondere bei bereits gefährdeten Personen.
- Orte wie die Synagoge in Halle oder die Şehitlik-Moschee in Berlin sind Teil der nachgewiesenen Bewegungsprofile, was Angreifern die Auskundschaftung von Zielen erleichtern könnte.
- Vertreter der Amadeu-Antonio-Stiftung betonen, dass die bloße Existenz solcher Überwachungsmöglichkeiten das Vertrauen in die eigene Sicherheit massiv beeinträchtigt.
Behördenversagen und Handel mit Privatsphäre
- Trotz der DSGVO, die den Schutz sensibler Daten wie religiöser Überzeugungen vorschreibt, floriert der unkontrollierte Datenhandel weiterhin.
- Datenschutzbehörden sind oft unterfinanziert und kommen gegen die international vernetzten Datenhändler kaum an.
- Während Politik und Experten den Handel als Bedrohung der nationalen Sicherheit einstufen, nutzen einige Sicherheitsbehörden selbst diese Werbedaten (ADINT), anstatt den illegalen Datenhandel konsequent zu unterbinden.